
In den kommenden Tagen erfuhr ich eine Reinigung. Die Träume waren intensiver als normal und mein Körper löste unreine Stoffe auf. Während dieser Zeit ging ich in die Sauna in einer großen Schwimm- und Sporthalle. Nach einer Weile im Schwimmbad ging ich allein in die Himalaya-Salz Sauna. Als etwa eine Minute vergangen war, hörte ich eine Stimme, die geschlechtslos schien und für mich aus dem Lautsprecher kam: sie sang das Om drei Mal in einer sanften Weise, was ich als sehr angenehm empfand.
Sobald ich aus der Sauna heraus war, fragte ich meine Freundin, ob sie wisse, dass es in der Himalaya Salz Sauna Lautsprecher gebe. Sie antwortete, dass es keine Lautsprecher in allen Saunen dieser Halle (Hains in Freital) gebe.
Ich war etwas verwirrt, woher sollte dieser Gesang gekommen sein? War das eine Halluzination von mir? Oder was war es? Konnte man es irgendwie erklären? Ich war zu vorsichtig, um jemand darüber zu befragen, so etwas war mir vorher nie passiert. Kurz danach beschloss ich, das Erlebte als eine Nebenwirkung der geistigen und körperlichen Reinigung zu sehen. In den Monaten vorher hatte ich in einem Buch über Yoga gelesen, dass die Lösung von Blockaden und ein Eintritt von Lebensenergie in unser Körpersystem zu unterschiedlichen übersinnlichen Erfahrungen führen können.
Im Kundalini Tantra wird gesagt, dass, wenn man bestimmte Reinigung erfährt, sich die Wahrnehmung öffnen kann, indem sich ein Zugang zu anderen Dimensionen oder Welten (Lokas*) ermöglicht.
Viele Menschen haben solche Öffnungen erfahren und gedacht, dass sie ein Zeichen von Samadhi oder sogar von Erleuchtung sind. Diese Erfahrungen, sagt die Schrift Baghavat Gita, können ein Hindernis für die Selbstverwirklichung sein, wenn man sich mit diesen identifiziert, anstatt sie nur als eine Erfahrung betrachtet.
Zum Glück waren das Tao Te Qing und die Baghavat Gita auf meinem Weg, um mich auf den Boden zu bringen, wenn ich eine “besondere” Erfahrung hatte. Diese alten Schriften gaben mir Demut und vor allem die Möglichkeit, solche Erlebnisse mit einer gewissen Distanz zu sehen. So durften Reflektionen entstehen, mit denen ich in Wahrheit von diesen Erfahrungen profitieren konnte.
So eine Erfahrung geschah 2011 in der Londoner U-Bahn während meiner Fahrt zur Arbeit. Damals hatte ich noch kein tiefes oder bemerkenswertes Interesse an der indischen Symbolik und hatte mir sogar das bekannteste Symbol der Hindureligion und Yoga nicht gemerkt: die Sanskrit Silbe OM. Natürlich hatte ich sie vorher wahrgenommen, aber wie sie genau aussah wusste ich nicht.
Ich war in der U-Bahn gegen 7 Uhr und noch nicht ganz wach. Normalerweise saß ich immer eine Weile, um ein wenig zu schlafen. Dieses Mal gab es keinen Sitzplatz und ich musste stehen bleiben. Ich hatte nichts besonderes geträumt und befande mich nicht in Überlegungen über die Arbeit oder andere Themen. Ich war nur im Stehen in einer Art Halbschlaf Zustand. Ich schaute für eine Weile absichtlos zum Boden, als ich plötzlich ein dreidimensionales Hologramm sah, das mit dem Boden in Symbiose erschien, das Symbol OM, mit einer sehr klaren und genauen Form im Relief, das sich aus dem Boden von unten nach oben sichtbar machte.
Ich kenne Menschen, die sich mit hellsichtigen Erfahrungen seit ihrer Kindheit auseinander gesetzt haben. Für mich war es hingegen nicht so. Ob meine Erfahrung in der U-Bahn ein Phänomen des Unterbewusstseins im Zusammenspiel mit der materiellen Gestaltung des Bodens war oder etwas anderes, kann ich nicht sicher sagen. Wovon ich wieder sprechen kann sind meine Eindrücke und die Bedeutung, die für mich diese Vision in diesen Moment hatte. Alles andere befindet sich in dem Feld der Unnötigkeiten und jede daraus entstehende Schlusfolgerung wäre deshalb sinnlos und unpraktisch. Für mich war klar, dass das OM irgendeine Bedeutung in Bezug zu meinem Leben hatte. Damals konnte mein Verstand begreifen, dass dieses Symbol eine Verbindung mit Indien hatte und das war wesentlich genug, um zu erkennen, was mein Unterbewusstsein oder irgend andere Kräfte in Verbindung mit mir sagen wollten.
Mich interessierte Indien, aber auch Afrika. Schon seit meinem Studium im Jahr 2010 wollte ich nach Afrika reisen und arabisch lernen, denn die Schriften des Sufismus und die arabische Sprache empfand ich als besonders schön. Sie haben für mich eine Verbindung mit Spanien und insbesondere mit Andalusien, das Land, in den ich 1985 geboren wurde. So wie jeder Mensch auf der Welt, der sein Heimatland nicht ganz als authentisch spürt, wolte ich meines verstehen und an seine Wurzeln gehen. Die arabische und islamische Kultur (in ihrem wahren und tiefsten Sinn), füllten die Lücken aus, weil sie wichtige Grundlagen der andalusischen Kultur sind, jenseits von Verwirrungen und Misverständnissen.
Viele wissen es nicht, aber es war ein Mann aus Andalusien, Ibn Firnas, im 9. Jahrhundert nach Chr., der zum ersten Mal in der Geschichte fliegen konnte, hunderte Jahre vor Leonardo Da Vinci.
Jedoch die Welt endete nicht hinter der Säule von Herakles. Ich suchte weiter und fand durch Yoga und die Schriften von Mircea Eliade ein Zugang zu dem mytischen Indien.
Ich war mir nicht ganz sicher, wohin ich mit meinem gesparten Geld von London aus fliegen würde, nach Afrika oder Indien. Ich wollte auch die Verwirklichung einer Vorhersage einer indischen Masseurin vermeiden, denn ich konnte nicht glauben oder wollte nicht glauben, dass jemand über meine Zukunft etwas sehen kann. Schließlich hatte ich sie nicht gefragt!
Meine Sturheit und Skepsis brachten mich zu einer Einstellung, die ich als logisch empfand. Sie sagte etwas über meine Zukunft, ich versuchte einen anderen Weg zu nehmen, um ihre Vision nicht real werden zu lassen. Damit bleibt mein freier Wille intakt und niemand kann Macht über mich ausüben.
Ich wusste damals nicht ganz genau, was freier Wille oder Freiheit bedeutet oder in wieweit jemand, der etwas über mich sagt, eine Macht über mein Leben haben könnte. Vielleicht gibt es Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die etwas sehen, das schon in den Augen meines Herzens gespeichert ist.
Was dieses Erlebnis mit der indischen Masseurin, die damals in Ronda lebte, betraf, geschah wie folgt: Februar 2011 begegnete ich Veda zum ersten Mal und zwar durch Augenkontakt. Wir hatten kein Wort miteinander gesprochen, aber durch die Luft flog ein Lächeln des Vertrauens, eine Verbindung jenseits der Worte.
Ein paar Wochen später machte ich einen Termin mit ihr für eine Heilbehandlung. Es war die erste energetische Heilbehandlung meines Lebens, obwohl weder von ihr noch von dem Yogazentrum mit diesem Begriff über den Massagetermin gesprochen wurde. Also ich hatte einen Massagetermin bei ihr! Und ich war sehr gespannt und froh.
Sobald ich in ihren Massageraum eintrat, sagte sie: “Warst du in Indien?”. Dazu sagte ich: “Nein.” Sie anwortete: “Seltsam, weil ich dich in Indien sehe und zwar in Rishikesh. “
Monate vorher war ich in Frankreich. Einen Monat lang machte ich ein Volontariat in Montauban, was eine sehr besondere Zeit in einer Gemeinschaft war. Danach ging ich Richtung nordwesten in die Bretagne für ein Projekt der europäische Union. Ich wartete drei Monate auf den Arbeitsvertrag von ihnen. Als ich schon in Paris auf dem Weg zum Flughafen war, rief mein damaliger Arbeitgeber mich an, um mir zu sagen, dass der Vertrag angekommen war. Aber der Fluss des Lebens ließ mich zurück nach Spanien fließen, obwohl ich nicht viel Geld übrig hatte.
Als ich Veda begegnete hatte ich glücklicherweise einen Job für einen Monat in Ronda gefunden, sodass ich mir erlauben konnte meinen Weg wieder irgendwie zu lenken. Zufälligerweise war sie der letzte Mensch, den ich auf der Straße traf, bevor ich nach Malaga fuhr, um von dort nach London zu fliegen. Mit einem ehrlichen und offenem Lächeln rief sie mir von der anderen Straßeseite zu, wo sie in ihrem Auto saß: “Gute Reise!”
So flog ich nach London, ohne Ahnung wohin mich der Weg führen würde. Da kann der Leser schon etwas spüren, wenn er sich an das OM der oben beschriebenen U-Bahn Erfahrung oder den Traum mit Krishna erinnert.
(*) Im Sanskrit sind „Lokas“ (लोक) Begriffe, die sich auf verschiedene Sphären, Welten oder Dimensionen im kosmischen Universum beziehen. Im Hinduismus und in der vedischen Philosophie werden die Lokas oft als Orte beschrieben, an denen verschiedene Wesen und Gottheiten existieren. Es gibt mehrere Lokas, von denen einige die folgenden sind:
- Bhuloka: Dies ist die Welt, in der wir uns befinden, die Erde.
- Bhuvarloka: Dies ist die Region über der Erde und wird manchmal als die Sphäre der himmlischen Geister oder Halbgötter betrachtet.
- Svarloka oder Swargaloka: Dies ist das Reich der Götter und Göttinnen im Hinduismus, die als Devas und Devis bekannt sind. Es ist eine höhere Dimension oder Himmelsebene.
- Maharloka: Eine noch höhere Ebene, auf der große Weise und Rishis (heilige Seher) existieren.
- Janaloka: Hier finden sich die himmlischen Weisen und Mystiker.
- Tapoloka: Dies ist die Welt der Asketen und spirituellen Suchenden.
- Satyaloka: Dies ist die höchste der Lokas und wird oft als der Sitz von Lord Brahma, dem Schöpfergott, betrachtet.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Vorstellung von Lokas stark mit der vedischen Kosmologie und der hinduistischen Mythologie verbunden ist. Sie repräsentieren verschiedene Ebenen des Bewusstseins und der Existenz im kosmischen Gefüge. Einige spirituelle Traditionen und Glaubensrichtungen verwenden diese Konzepte in ihren Lehren und Meditationen.






